Schüler im Missio-Truck auf der Flucht
Multimediale Ausstellung über „Menschen auf der Flucht“ lässt Schicksale nacherleben
(Aus der Schwäbischen Zeitung vom 11. April 2016, Text und Foto von Linda Egger)

TETTNANG – Mit „Menschen auf der Flucht“ haben sich 23 Schüler der Klasse 9e des Montfort-Gymnasiums am vergangenen Freitag intensiv befasst und dabei im Missio-Truck, der zwei Tage lang in Tettnang Station gemacht hat, hautnah erfahren, wie es sich anfühlt, auf der Flucht zu sein.

„Aus welchen Ländern kommen Flüchtlinge überhaupt?“, will Missio-Mitarbeiterin Rebekka Koch zunächst von den Schülern wissen. Schnell fallen die Namen von verschiedenen Ländern, aus denen auch viele in Tettnang untergebrachte Flüchtlinge stammen. Doch um Schutzsuchende, die nach Europa flüchten, soll es an diesem Vormittag nicht gehen, denn was vielen weniger bewusst sein dürfte, ist, dass Millionen Menschen auf der Flucht sind, ohne dabei ihr Heimatland zu verlassen. „Diese Menschen nennt man Binnenflüchtlinge, sie fliehen in sicherere Gebiete innerhalb ihres Landes“, erklärt Rebekka Koch.

Für die kurze Einführung, bei der die Schüler wissenswerte Hintergrundinformationen erfahren, geht es vom Klassenzimmer auf eine Reise nach Afrika, genauer gesagt in den Kongo, der zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt zählt. „Und doch ist die Bevölkerung unglaublich arm dort: Es findet Ausbeutung statt, und verschiedene Gruppierungen kämpfen gegeneinander“, gibt Koch weiter. Was hinter alledem steckt, ist Coltan, ein sehr leitfähiges und hitzebeständiges Erz, das etwa für Mikrochips in Smartphones verwendet wird. Rund 60 Prozent des weltweiten Vorkommens des Rohstoffs sind im Kongo. „Irgendwann wird es erschöpft sein, denn es ist nicht nachwachsend“, so die Pädagogin weiter. Deswegen werde hart um Coltan gekämpft, und die Minen sind häufig von Rebellen besetzt. Die Folge sind Gewalt, Zwangsarbeit, Vertreibung und letztlich häufig Flucht. Derzeit geht man von rund drei Millionen Binnenflüchtlingen im Kongo aus.

Je zu zweit gehen die Schüler im Missio-Truck dann „auf die Flucht“ und versetzen sich in die Rolle von individuellen Schicksalen im Kongo.

An Problematik im Kongo erinnern 

„Hauptsächlich geht es darum, auf die Problematik im Kongo aufmerksam zu machen, denn das sind Regionen, die aus dem Blick geraten, wenn andere Krisenherde wichtiger werden“, erklärt Rebekka Koch das Ziel der Aktion. Quer durch ganz Deutschland ist der Truck im Zuge der Aktion Schutzengel von Missio unterwegs und klärt auf Messen, Veranstaltungen oder in Schulen über das Thema Flucht auf. Aufgebaut ist der Missio-Truck dabei in Form einer multimedialen Ausstellung, bei der die Besucher während ihrer „Flucht“ sechs Stationen passieren.

Wie fühlt es sich an, von einem Moment auf den anderen sein Heimatdorf verlassen zu müssen, um sein Leben zu retten? Welche Gegenstände müssen mit auf die riskante Reise? Teilweise beengend, authentisch und mit allen Sinnen können Besucher „ihre Flucht“ erleben, und wer den Missio-Truck wieder verlässt, ist um viele Eindrücke reicher.

(Text und Foto Linda Egger/Schwäbische Zeitung)

Missio-Mitarbeiterin Rebekka Koch (rechts) klärt die Schüler der 9e des Montfort-Gymnasiums über die Problematik der Binnenflüchtlinge im Kongo auf.