Ein topmotiviertes Team und viele helfende Hände schufen am Sonntagabend im St. Gallus Gemeindezentrum eine tolle Atmosphäre. Unter dem Motto „Miteinander-Füreinander“ mit Maria Schuster von der Kirchengemeinde St. Gallus, Christine Barth vom Asylnetzwerk Tettnang und Brigitte Ganzmann von der Stadt Tettnang, hatte man zu einem gemeinsamen Essen mit afghanischer Küche eingeladen. Die weit über Hundert Gäste wurden mit einem Willkommenstee begrüßt und Maria Schuster und Christine Barth erzählten, dass die Idee mit dem Kochen von den geflüchteten Frauen aus Afghanistan stammte, die nach der Entbindung überlegten, was sie kochen könnten. Man beschloss daraufhin, nicht im Kleinen zu kochen, sondern ein gemeinsames Essen zu organisieren, weil Essen ein verbindendes Element in allen Kulturen ist. Laut Brigitte Ganzmann sind in Tettnang die Flüchtlinge aus Afghanistan die zweitgrößte Gruppe nach den syrischen Flüchtlingen.
Maria Schuster stellte einen Teil des Teams vor. Die Gerichte zubereitet haben Kadije und Fereste, zwei afghanische Frauen, gemeinsam mit dem Steirer German Katnik, der ein Bio-Catering Unternehmen besitzt und sich deshalb mit der Organisation von großen Events auskennt. Christine Barth richtete das Wort an die Gäste und bat darum, Tische zu wählen, an denen Personen sitzen, die man noch nicht kennt. Außerdem gäbe es kleine Aufgaben zu lösen, die an den Plätzen zu finden seien. Paiman, der neunjährige Sohn von Kadije, der sehr gut Deutsch spricht, übernahm die Übersetzung für seine afghanischen Landsleute. Ein Serviceteam aus vielen freiwilligen Helfern, auch aus dem Asylnetzwerk Tettnang, übernahm die Bedienung. Nachdem die Gäste an den liebevoll gedeckten Tischen Platz genommen hatten, schilderte Dida, der Ehemann von Feresde, in gutem Deutsch die Stationen der Flucht mit drei kleinen Kindern aus Afghanistan. In zwei Monaten mit dem Auto, Bus und Schiff von Afghanistan über Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und dann zu Fuß von Ungarn über Österreich nach Deutschland.
Danach ergriff German Katnik das Wort. Vor den Hinweisen auf die Speisefolge brachte er jedoch noch einige Gedanken zu seiner Motivation für die Teilnahme an dem Projekt ein: „Wie kann ich mit meiner Tätigkeit einen gesellschaftlichen Mehrwert erbringen, was konkret kann ich tun? Die Küche ist ein Ort ohne Grenzen und der Schlüssel zu jeder positiven Veränderung ist die Kommunikation und Begegnung, die innerhalb einer gemeinsamen Mahlzeit stattfindet.“ Zum Essen, das für alle gemeinsam begann, gab es Palau, welches mit Risotto oder Paella zu vergleichen ist. Bolanee, mit Kartoffeln, Zwiebeln und Spinat gefüllte Teigtaschen konnten ein bisschen an vegetarische Maultaschen erinnern. Daal ist ein Gericht mit Linsen, Rindfleisch und Zwiebeln, Koukou Sabzi ein Eieromelette mit Frühlingszwiebeln, Koriander, Dill, Kartoffeln, Sauerrahm und Spinat. Zum Dessert gab es Obst. Die Speisen wurden in Schüsseln serviert, man schöpfte sich gegenseitig, tauschte sich aus und aß mit bestem Appetit und bei den Gesprächen konnte sogar eine weitere Lesepatin für die Flüchtlingskinder gewonnen werden. Der Raum war angefüllt mit dem Duft nach den verschiedensten landestypischen Gewürzen. Ein Teil der Grundzutaten war von der Firma DWP Fairhandelsgesellschaft in Ravensburg gespendet worden. Nach dem Essen räumten Männer und Frauen gemeinsam zügig auf, damit die vielen Kinder rechtzeitig ins Bett kamen. Vor dem endgültigen Abschluss gab es ein riesiges Dankeschön an die Köchinnen und den Koch sowie an den Service, den Spüldienst und alle Beteiligten, die den Abend möglich gemacht hatten. Da die komplette Veranstaltung für die Gäste kostenlos war, wies Brigitte Ganzmann noch einmal dezent auf ein Spendenkässchen hin.

(Text Annette Rösler)