Am Freitag, 9. Oktober 2015, veranstaltete die Kolpingfamilie gemeinsam mit Paul Geiger vom Leitungsteam des Asylnetzwerks Tettnang einen Filmabend über Flüchtlinge, die schon seit Längerem in Deutschland leben. Es waren 3 Asylbewerber mit ihren Kontaktpersonen gekommen.

Der Kurzfilm mit dem Titel „Angekommen“ schilderte die Eindrücke und Erfahrungen von Menschen aus den verschiedensten Ländern in der ersten Zeit nach der Flucht aus der Heimat. Fast alle von Ihnen haben sich hier freundlich aufgenommen gefühlt und waren dankbar über die Hilfsbereitschaft der Deutschen. Sie bemühten sich unsere Kultur zu verstehen und wunderten sich über manche Dinge.

Zum Beispiel bemerkte ein junger Afrikaner: „Bei uns lernt man, dass Tiere nicht sprechen können. Die Deutschen jedoch reden mit ihren Hunden. Sie sagen „Sitz“ und der Hund setzt sich wirklich hin.“ Das habe ihn wirklich sehr verwundert.

Eine junge Frau aus einem Balkanland sagte, sie habe Deutschland nur als kurzen Aufenthalt gesehen und wollte, sobald der Krieg vorbei ist, so schnell wie möglich wieder zurück in die Heimat. Deshalb hat sie sich strikt geweigert, Deutsch zu lernen. Sie hat alle Hilfsangebote zur Integration aus diesem Grund abgelehnt. Allerdings merkte sie bald, dass sie niemandem den Grund ihrer Weigerung erklären konnte, denn es gab keine gemeinsame Sprache und niemand verstand ihr Verhalten.

Sie erlernte die deutsche Sprache und hat mittlerweile hier ihren Traumberuf gefunden.

Letztendlich waren sich alle einig, dass das „Ankommen“ kein leichter Weg ist. Wirklich angekommen ist man erst, wenn man die Sprache des Landes spricht, eine Arbeitsstelle, eine Wohnung und Freunde gefunden hat.

Im Anschluss an den Film wurden die anwesenden Asylbewerber, die aus Liberia, Irak und aus Nigeria stammen, gefragt, wie sie sich hier fühlen, ob sie bleiben möchten und was sie sich für Ihre Zukunft wünschen. Alle meinten, sie seien sehr froh und dankbar, ihre deutschen Kontaktpersonen gefunden zu haben, die ihnen bei anfänglichen Schwierigkeiten im täglichen Leben helfen und dass es ihr großer Wunsch ist, zu bleiben, Deutsch zu lernen und hier arbeiten zu können und ein selbstständiges Leben zu führen. Besonders der junge Mann aus Liberia, Brian Silas, ist stolz und glücklich es geschafft zu haben. Er ist seit 1996 in Deutschland, hat mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit und absolviert aktuell eine Fortbildung zum Techniker mit Abschluss.

Danach wurden die deutschen Kontaktpersonen gefragt, was sie dazu bewogen hat, zu helfen. Die Antworten waren z. B. der Grund, dass es uns ja sehr gut geht und sie gerne etwas davon abgeben möchten. Eine Frau sagte, sie habe 2 Kinder und sie möchte, dass diese lernen, dass es auch noch andere Kulturen gibt und sie möchte damit ein Zeichen setzen gegen Fremdenfeindlichkeit. Auch Menschen, die selbst oder deren Familienangehörige einmal fliehen mussten, möchten jetzt etwas zurückgeben, weil sie am eigenen Leib erfahren haben, wie es sich anfühlt, wenn man fremd ist.

Zum Ende der Veranstaltung machte Paul Geiger noch Angaben zu den aktuellen Flüchtlingszahlen, zur Organisation der Kinderbetreuung und zu der Situation in der Notunterkunft an der alten Layerhalle. Es wurden Fragen gestellt, unter anderem die Frage nach bezahlbarem Wohnraum in Tettnang, der auch von den Flüchtlingen benötigt wird, die bleiben werden. Leider blieb diese Frage wieder einmal unbeantwortet im Raum stehen

(Text: Annette Rösler)