Woher kommen unsere Gäste?

Was für Geschichten haben Sie zu erzählen?

„Migration und Empathie“

Migrant: Brian Silas, geb. 17.7.1979 in Monrovia/Liberia, Westafrika.
Vater: Samuel Silas, geb. 1949 in Benin Nigeria
Mutter: Patience Silas, geb. 28.02.1959 in Monrovia, aus Sklavenfamilie reemigriert aus Amerika.
Schwester: Betty Silas geb. 4.8.1981 in Monrovia.

Vita:

1985 – 1989
Schule 1. bis 5. Klasse, ca. 50 Kinder in der Klasse. 2. Klasse übersprungen, Schulsprache englisch

1989
Bürgerkrieg, Unsicherheit, Schule geschlossen Viele emigrieren nach Ghana und Nigeria. Konflikt mit Vater, häusliche Gewalt.

1990
Vater emigriert mit neuer Frau nach Nigeria Brian arbeitet mit Freund Tom auf dem Markt und am Hafen für Familienunterhalt.

1992
Emigriert mit der Familie von Tom nach Ghana. Mutter heiratet neuen Mann und zieht mit Tochter nach Nigeria. Arbeitet dort in einer Kautschukplantage.

1996
Adoptionsfamilie organisiert für Brian und Tom Ausreise nach Europa (Pässe) Schiffsreise Liberia – Hamburg Arbeiten auf dem Schiff.
Euphorie über Ankunft in Europa
Weiter mit dem Zug nach Frankfurt, Asylantrag bei der Polizei. Zwei Tage Jugendherberge, dann Fahrkarte nach Karlsruhe. Zwei Wochen Asylantenlager, weiter zum Zwischenlager nach Raststatt für 2 Monate.
Ablehnung des Asylantrages. Bleiberecht bis zum 18. Geburtstag. Deutschkurs und Langeweile, viele Polizeikontrollen. Friedrichshafen Lager in der Kaserne Fallenbrunnen, vier Personen auf dem Zimmer Liberia, Gambia, Ghana und Sudan (17 – 30 Jahre), Tom ist inzwischen bei einer Familie in Holland, Ausreise nach Amerika.

1996 – 1999

Kontakt zu CJD (Christliche Jugend Deutschland), Unterstützung von Frau Boot ermöglicht Sprachkurs 3mal pro Woche.
Arbeit bei Reinigungsfirma Picobello, nachts Reinigung der Züge. Ablehnung Asylantrag, Aufenthaltsgenehmigung immer für 3 Monate. Ablehnung Schulbesuch BVJ (Berufsvorbereitungsjahr).

1999 – 2008
Umzug in WG in Friedrichshafen, Zimmer 140 DM. Vollzeitarbeit bei McDonald’s.

2002
Schichtführerausbildung bei McDonald’s in München

2004
Technikausbildung bei McDonald’s.

2006
Unbefristete Aufenthaltsgenehmigung, Abendschule in Weingarten zum Hauptschulabschluss vermittelt durch Frau Tedesko Sekretärin im Schulamt Bodenseekreis.

2008
Hauptschulabschluss mit der Note 1,6. Der Schulamtsdirektor bittet den Schulleiter der Elektronikschule Tettnang, Klaus Hesse, um Unterstützung bei Ausbildungsplatzsuche im Elektronikbereich.

2009
Abschluss der Berufsfachschule Elektronik in Tettnang.

2009 – 2012
Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme bei Fa. Wenglor Sensorik in Tettnang.

2010
Einbürgerung erfolgreich, Brian Silas ist nun deutscher Staatsbürger.

2012 – 2013
Abschluss der Ausbildung und Arbeitsplatz im Versuchsaufbau bei Firma Wenglor Sensorik, Besuch seiner Schwester Betty in Kanada.

2013 – 2015
Weiterbildung zum Techniker in der Elektronikschule Tettnang. Wochenendarbeit und Ferienarbeit bei McDonald’s.

Juli 2015
Abschluss der Weiterbildung zum Techniker in der Elektronikschule Tettnang mit 1,8.

Empathieerfahrungen, Unterstützung

  • Aufnahme in Adoptionsfamilie in Liberia.
  • Arbeitgeber im Hafen von Monrovia, ein Kapitän gibt Geld für Fahrkarte und Essen.
  • Bahnhofsmission und Jugendherberge in Frankfurt.
  • Verein CJD Frau Boot und Frau Tedesko, Sprachkurs und Hauptschulabschluss.
  • Filialleiter Mac Donald’s Friedrichshafen engagiert sich für eine Förderung durch Fortbildungen.
  • Freundschaft mit Familie Hesse in Tettnang. Kontakt, Hilfen, Einladungen.

Fehlende Empathie und Enttäuschungen

  • in Familien andauernde häusliche Gewalt
  • Zwischenlager in Raststatt, viele Polizeikontrollen
  • Ablehnung Asylantrag in Karlsruhe
  • Ausländerbehörde Friedrichshafen, Schikane mit nur jeweils 3 Monate Bleiberecht.

(Text und Bilder Klaus Hesse, Universität Konstanz Psychologie, Seminar Empathie SS14)

Brian Silas, 5 Jahre, 1984 mit Schwester Betty.

Im Asylantenheim in Rastatt.

In Friedrichshafen.

Bei McDonald’s in Friedrichshafen, 2004.

Bei der Fa. Wenglor Sensor in Tettnang, 2013.

Brian Silas, 2015.

„Omid Moradi aus Teheran (Iran)“

Omid Moradi ist 30 Jahre alt und kommt aus Teheran / Iran. Omid ist sehr froh und dankbar darüber, in Tettnang angekommen zu sein.
Er hat einen langen, beschwerlichen Weg hinter sich über die Türkei nach Griechenland. Für die Reise in die Türkei brauchte er 32 Tage, in Griechenland wurde er dann inhaftiert und verbrachte dort 18 Monate grundlos im Gefängnis. Als er entlassen wurde, brauchte er weitere 2 Monate, bis er in Deutschland ankam. Dort ging er zur Polizei und stellte seinen Asylantrag. Nachdem man ihn fotografiert hatte und seine Fingerabdrücke genommen wurden, kam er in ein Lager nach Karlsruhe. Danach ging es weiter in das nächste Lager nach Meßstetten.
Seit Omid in seiner Heimat zum christlichen Glauben übergetreten ist, hatte er dort andauernd Probleme und wurde drangsaliert und verfolgt. Sein Glaube ist ihm sehr wichtig und deshalb ging er schon, als er in Meßstetten war, regelmäßig in die Kirche.
Nun ist er in Tettnang angekommen, lernt die deutsche Sprache, die er übrigens schon gut beherrscht und liest sehr viel in der Bibel (man konnte ihm eine  persische Bibel besorgen). Er besucht regelmäßig die Kirche.
Omid ist diplomierter EDV-Programmierer und hat außerdem eine Herrenfriseurausbildung absolviert. Ab 1. Oktober wird er in einem Tettnanger Friseursalon arbeiten.
Omid möchte sich auf diesem Weg für das freundliche Willkommen bei seinem Deutschlehrer und anderen Tettnangern, besonders bei Simone Weiss und ihrer Familie, herzlich bedanken und er wünscht sich für die Zukunft, ein gut integrierter deutscher Staatsbürger zu werden.
(Text von Annette Rösler)

„Mohamed aus Aleppo (Syrien)“

Mohamed ist 20 Jahre alt und stammt aus Aleppo in Syrien.

Er kam im Juni 2014 mit dem Schiff nach Griechenland und dann ging es weiter mit dem Flugzeug nach Deutschland, wo er in der Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Mannheim für 20 Tage untergebracht war.

Da dort sehr viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben mussten, war es dort unmöglich etwas Ruhe zu finden. In den Nächten gab es viele Kinder und Erwachsene, die im Traum schrien und weinten, da sie Schreckliches erlebt hatten und von Albträumen und Ängsten gequält wurden.

Nach dieser schwierigen Zeit kam Mohamed nach Friedrichshafen und danach nach Tettnang. Über das Jobcenter wurde ihm die Möglichkeit des Besuchs der Integrationsklasse vermittelt. Mohamed besucht sie, um das Sprachniveau C 1 in Deutsch zu erreichen. Er spricht schon gut Deutsch und hat die Chance, da er die Dokumente über sein Abitur und seine Ausbildung vorweisen kann, in Deutschland ein Studium zu absolvieren. Mohamed lebt schon in einer eigenen kleinen Wohnung.

Seine Mutter, die Ärztin ist, fühlte sich verpflichtet in Syrien zu bleiben, da sie gebraucht wurde. Da die Gewalt jedoch extrem zunimmt, hat sie sich entschlossen, mit dem Rest der Familie ihre Heimat auch zu verlassen.

Mohamed wünscht sich, Deutschland mit seinen Menschen und seiner Kultur gut verstehen zu lernen und hier Freunde zu finden, mit denen er sich austauschen und auch etwas unternehmen kann. Deshalb möchte er sehr gern in unserem am 1. Oktober neu eröffneten Café International mithelfen, um mehr Kontakte zu bekommen.

(Text von Annette Rösler)

Nur gemeinsam werden wir das schaffen. Gehen wir es an!